Hunziker2020

Aargauer Wörterbuch

Mundartlese

Ruej

Es chunt zur Zit vöu Guets us China.
Was für nes Gschänk di Ruej! Isch das e
schöne Früeligsmorge! Kes Wöukli am
Himu 18 Grad Celsius und es linds Lüftli.
Karfritig. I sitze vor em Huus und dänken
a mis Mami. Mis Büechli uf de Chnöi.
De Zingaro e schwarze Kater schmeichlet
sich dezue und ribt mir s Chöpfli a de Füess.
Linggerhand de Chriesiboum tribt sini erschte
Blüete (vöu z früe!) de Raps gradus no grüen de
Himu drüber blau und klar we säute. Kes Wöukli.
Das heisst (äxgüsi goh schnäu hinder s Huus)
… doch eis. S Säubergmachte. Aber süsch …
was für ne Blöji! I de letschte Johr het dä Himu
meh und meh usgseh we nes Schnittmuschter
und jez: Läär. Meh as d Höufti vo de Flüüger
am Bode. Det söle si bliibe! Ned sofort
verschrotten aber ab i Hangar demit!

Mis Büechli. Wem ghört das überhoupt?
I cha ned chinesisch. I bi nie z China gsi
und scho gar ned vor 2500 Johr.
Und doch dänk i und gspür i mängisch wie
ne Chines. En aute.
Das han i am Bertolt Brecht z verdanken
und sim Gedicht: «Legende von der
Entstehung des Buches Taoteking auf
dem Weg des Laotse in die Emigration».
Gschribe 1939 won er säuber ab het müesse.
I drizäh wunderbare Värse fabuliert er vom
Laotse. Dä verloot sis Land und ritet uf em
Ochs devo. A de Gränze hautet ne e Zöllner
uuf. Dä wott von em wüssen öb er d Woret
über Tod und Läbe … usegfunde heig und
ladt nen ii zum bliibe. Nach ere Wuche
übergit em de Laotse 81 Sprüch … ebe
das «Taoteking».

De Brecht het das mit Sicherheit gstudiert und
töif verstande. Warschinli i der Übersetzig
vom Richard Wilhelm (1911). Vom Brecht sind
ou di Zile won i mou an ere Türe gläse ha (uf
em Righi im Zen-Chloschter «Felsentor»):

  • «Geh ich zeitig in die Leere
    Komm ich aus der Leere voll
    Wenn ich mit dem Nichts verkehre
    Weiss ich wieder was ich soll.»

E lääre Himu. Was für ne wunderbare Tag.
Was für ne Ruej.
Es raschlet im Gebüsch. Es Fladeren e Satz
de Kater het es Bachstöuzli i de Schnöre.
S het ke Chance. Zwar s zablet no aber er
hebt s zwüsche de Zange vo de Zähn bisst
zue loot los rüert s i d Luft und packt s wider.
De tanzt er mit em eis vo dene grässliche
Ballett we si d Natur haut so bietet.
Chli spöter ligge Fäderen im Gras.
Und e Galleblase.

Was höuft mir jez de Bertolt Brecht?
Was höuft mir de Laozi? (I säge hüt «Laozi»
und nümme «Laotse» … me seit ou nümme
«Peking» sondern «Bejing») Es isch de Blick
vo wiit ewäg. Dä Blick het ou mis Mami gha.
Dä vom Mond oben abe.

  • «De gsehn i d Meer und d Kontinänte.
    D Wüeschtinen und d Städt.
    I gseh we d Mönschen umechräsme we
    Ameisi. Und de dänk i: Genau so nes
    Ameisi bisch du ou. Und wüsse tuesch
    genau glich vöu. Nämli nüt.»

Guet das het s vom Sokrates gha. Das isch
e Zitgnoss gsi vom Laozi und vom Buddha
by the way. De Bertolt Brecht isch spöter choo.
Wie söle mir läbe? Was söle mir tue?
Es fougt en Iisicht vom Laozi. De Spruch Nr. 47
i de Zofiger Mundart:

Oni dass me wiit goht
cha me d Wäut begriife.
Oni us em Fäischter z luege
cha me s Dao verstoh.

Je witer as me furtgoht
desto weniger begriift me.

Wär das verstoht
verstoht oni dass er muess reise.
Er luegt oni z luege.
Er volländet
oni z tue.

Oschtere. De Raps foot a gääle. De Himu isch
no wien er gsii isch. Es chunt zur Zit vöu
Guets us China.

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