Dass es keine einheitliche Aargauer Mundart gibt, ist jedem Aargauer und jeder Aargauerin klar. Trotz feinen Nuancen lässt sich der heutige Kanton Aargau im Wesentlichen in vier Mundartgebiete einteilen, die sich hauptsächlich aus der territorialen Vergangenheit erklären lassen. Jeder der vier Teile war ein Untertanengebiet: der Südwesten gehörte Bern, der Südosten den Innerschweizer Orten und Zürich, der Nordosten gehörte allen acht alten Orten und der Nordwesten gar als Teil von Vorderösterreich der habsburgischen Krone (bis 1802).  

Um die Herkunft eines Aargauers aufgrund seiner Sprache zu bestimmen, genügt folgendes Schibboleth: Man frage ihn, ob er gern Fliegen habe. Nehmen wir einfachheitshalber an, dass die Antwort immer positiv ausfalle, so ergeben sich vier als lautliche Varianten unterscheidbare Antworten; diesen vier Varianten lassen sich die vier Gebiete ziemlich genau zuteilen:

Gebiet ① I ha d Flöige gäärn
Gebiet ② I ha d Flöige geern
Gebiet ③ I ha d Flüüge geern
Gebiet ④ I ha d Fliege gäärn

Traditionell konnte man die vier Hauptmundarten auch wortgeographisch abgrenzen, etwa anhand der Karte V212 des Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS): Das Bonbon hiess im Berner Aargau Täfeli, im Freiamt Zückerli, im Nordosten Zältli und im Nordwesten Chröömli oder Guuts(l)i . Diese sprachlichen Grenzen haben sich aber in der heutigen Zeit verschoben (vgl. die beiden Karten und den Text im Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz).

Solche dialektologische Aufspaltung beschränkt sich nicht auf das Kantonsgebiet, sondern bildet in vielen Fällen – etwa bei der Lautung von ,Fliege’ (entsprechend verhalten sich auch ,Griebe’, ,tief’) – die Keimzelle gesamtschweizerdeutscher Sprachgegensätze.

Text und Abbildung:
Niklaus Bigler, Schweizerisches Idiotikon: Jahresbericht über das Jahr 1984, S. 9 (adaptiert; Original).

Sprachliche Eigentümlichkeiten im Aargau
Surbtaler Jiddisch