Von Patti Basler auf Dienstag, 04. Februar 2020
Kategorie: Prosa

Jümpferli

«Basler-Jümpferli, mach s’Fänschter zue!», hett de Pfarrer grüeft. Für ihn sind alli Meitli Jümpferli gsi. Bi de Buebe hett är kei Diagnose gstellt bezüglich Jungfräulichkeit. Är hett ihne eifach «Bueb» gseit. «Meier-Bueb, mach s’Muul zue!» Überhaupt hett mer vill müesse zuemache im Religionsunterricht bim Pfarrer. S’Bravoheftli, s’Etui, de Hoselade. Und d’Ufgschlosseheit sowiso. De Pfarrer isch ned wahnsinnig offe gsi gegenüber nöie Ideeä. S hett eim tunkt, was jung sig, wöll är gradbiege. Dass es nur ja kä Wildwuchs gäb. Dass mer i de gwohnte, alte Bahne bliib. Öbwohl mir jo scho i de Oberstufe gsi sind, i de achte Klass und s’Rebelliere gege d’Obrigkeite hett dezue ghört.

Dass d’Pfärrer ned so ufgschlosse sind, hani aber scho i de zwöite Klass begriffe. Ich ha dennzmoll gfrogt gha, öb denn no nie öpper Gott gseh heig. De Pfarrer hett verneint. De wüssi mer also au ned, wie Gott usgsähchi, hani witer wölle wüsse. Richtig, hett de Pfarrer gmeint, dass wüssi niemert. Aber denn, hani gfolgeret, chönnti Gott jo au en Frau sii.

De Pfarrer hett mi bös agluegt, hett gseit, d’Jumpfere Maria sig die einzig Frau, wo zu Rächte Gottes döfi sitze, aber si sig nur es Gfäss für d’Geburt vo Jesus und ich söll sofort use in Gang, in Schämi-Egge!

Natürli isch mir scho längschtens klar gsi, dass Jumpfere nüt z’tue hett mit de Jugend vonere Frau. Im Gegeteil. Usem Dorf han ich vor allem alti Jumpfere kännt. Die alt Jumpfere, womer ame s’Velo händ döfe abstelle, usserhalb vom Dorf, dass es ned gstohle wird bi de Schuel zue. Die alt Jumpfere hett kä Name gha, si isch eifach di alt Jumpfere gsi. Spöter isch si denn sogar zu de uralte Jumpfere worde, will euse Horizont grösser worden isch und’s am andere Ändi vom Dorf au en alti Jumpfere gha hett, wo aber ächli jünger gsi isch als die uralt Jumpfere. Das isch s’Schicksal vo de Jumpfere. Si bliibe gsund und wärden alt. Verschidnigi Studie zeige, dass johrhundertilang d’Nonne und anderi Jumpfere s’gsündschte und meischtens au s’zfridnigschte Läbe gfüehrt händ. Si händ mit Abstand die höchscht Läbenserwartig gha. Käs Wunder: Öppis vom Gföhrlichschte für d’Fraue sind i de Vergangeheit d’Schwangerschaft, d’Geburt und s’Wuchebett gsi. Und dass d’Manne, vor allem d’Ehemanne, si jederzit händ döfe für ihri Zwäck missbruuche, hett wahrschindli au ned grad zu de Gsundheit bitreit.

S’Gliiche hani au bi de Chüeh deheim ufem Buurehof beobachtet. Solang si no jungfräulich gsi sind, Rindli, wime bi eus seit, händ’s es unbeschwerts Läbe gha. Sie sind im Freilaufstall oder uf de Weid umegumpet, weder es schwers Uter no es durschtigs Chälbli hett si behinderet. Und wenn die Rindli vomene potänte Stier tröimt händ, so wie mir Meitli vo dene Boyband-Buebe usem Bravoheftli, denn sind si spötischtens im gebärfähigen Alter uf d’Wält cho. Statt e Stier isch nämlich de eidgenössisch Besomigstechniker us de Besomigsastalt Müllige mit sim Kombi verbii cho. Im Kofferruum hett är en Stickstofftank gha mit villne dünne, lange, grüene Röhrli. Döt isch s’Stieresperma drin gsi. Ei Portion hett für ix Röhrli glängt. Ei Stier hett pro Johr Tuusigi vo Chüeh chönne besoome. Ich ha scho als Chind begriffe, i welem Zahleverhältnis dass es Manne und Fraue brücht, zum d’Art erhalte. Und werum dass d’Manne meh Ziit händ für Forschig und Wüsseschaft oder Seich im Grind und werum dass si au ehnder moll chönne riskiere, jung z’stärbe. 
Mini Eltere händ amen usem Katalog de Stier usgsuecht mitem beschte Priis-Leischtigs-Verhältnis. Je nach Milchleischtig, wo d’Müettere oder wiibliche Nochfahre vom Stier erbrocht händ, isch nämmli sones Röhrli tüürer oder billiger gsi.  De Besoomigstechniker hett denn än Gummihändsche bis über d’Schulteren ue zogen und hett dur de Darmusgang ii glängt, de Gebärmuetteriigang packt und mit der andere Hand s’Röhrli ziilgenau platziert. Das isch halt en relativ unromatischi Sach gsi.

De einzigi Bulle, wo die Chüeh vo Nöchem gseh händ, isch öppene Red-Bull-Büchs gsi uf de Weid. Vo dem seit mer jo, dass er Flügel verleiht. Und di einti, d’Mari, hett leider au sonen rote Bulle gfrässe. Mer weiss jo: Liebi goht dur vier Mäge. Statt s’Härz broche, hett de roti Bulle de Mari öppen en Mage verschnitte und au no d’Spiisröhre bim Widerchöie. Kei schöni Entjumpferig. Jedefalls hett är ihre denn scho no Flügel verleiht. Diräkt nach de Notschlachtig.

Ufklärt simmer im Fricktal ufem Buurehof worde, bevor mer s’Bravoheftli händ chönne läse. Und usprobiert hämmer die Sache denn am Waldfäscht uf de Ampferehöchi. Am Ampferefäscht, oder, wie mir ame zum Gspass gseit händ, am Jumpferefäscht. Will vo döt ebe keini als Jumpfere heigöch.

«Jümpfeli Basler, was hesch s’Mul offe?» hett de Pfarrer gseit, woner gmerkt hett, dass ich über ganz anderi Sache nochedänk als über die unbefläckt Empfängnis vo de Maria. 
«Herr Pfarrer», hani gfrogt, «mer müend Ihne Herr Pfarrer säge, will Si au würkli en Pfarrer sind, oder?» – «Ja, das isch richtig so, Basler-Jümpferli.» – «Wiso säge Si mir denn Jümpferli, Herr Pfarrer?» Jetzt hett de Pfarrer s’Muul offe gha.

Jümpferli hett är mir nie meh gseit. Au den anderne Meitli vo de Klass ned. Ich ha ghört, er heig überhaupt nume no de Vorname vo de Chind bruucht im Religionsunterricht. Nume wenn öppen en Bueb z’vill Seich im Grind gha heig, sigem mängisch usegrutscht: «Meier-Bueb, mach’s Muul zue!»

Kommentare hinterlassen